Kinder lieben Ordnung

In den letzten Monaten durfte ich die wunderbare Erfahrung machen mit Kindern im Alter zwischen 4 und 9 Jahren Ordnung zu schaffen. Was alle diese Mädchen und Jungs gemein hatten? Sie haben sich wie die Schneekönige über ihre neue Ordnung im Kinderzimmer gefreut und tatkräftig hin- und her geräumt und aussortiert. Vielleicht funktionierte dies auch besonders gut, weil eben nicht Mama oder ein anderes Familienmitglied dabei waren. Sie konnten frei entscheiden, was sie verschenken und was sie behalten möchten.

 

Unsere Kinder sind wahre Meister im Aussortieren und können das so gut, weil sie in der Regel an Altem nicht so hängen wie wir. Sie überlegen nicht, ob sie das Spielzeug irgendwann nochmals bespielen werden. Entweder spielen sie damit, oder nicht. Sie kennen noch keine Verpflichtungen und knüpfen auch keine Hoffnungen daran. Kinder sind innerlich noch so frei und entscheiden rein intuitiv, was sie gerne mögen und was sie behalten möchten. Das überschüssige Spielzeug ist schnell aussortiert. Ähnlich verhält es sich mit den Kleidungsstücken. Sie wissen genau, was sie gerne anziehen und was nicht, egal wie teuer es war. 

 

Oft werde ich gefragt, „wie bringe ich denn meinem Kind Ordnung bei?“ Ganz wichtig ist, dass wir auch hier, wie in allen anderen Lebensbereichen, eine Vorbildfunktion haben und diese auch ganz bewußt vorleben. Wenn die Eltern ordentlich sind und es schaffen, den Begriff Ordnung positiv zu besetzen, übernehmen es die Kinder und sind aufgeschlossen, hin und wieder ihr Kinderzimmer „auszumisten“. In erster Linie ist es wichtig, dass sich im Kinderzimmer nur Spielzeug befindet, mit dem die Kleinen und Großen auch gerne spielen. Ein übervolles Spielzimmer ist zwar gut gemeint, bremst die Kinder aber in ihrer Kreativität und in ihrem Elan Neues zu entdecken und zu erforschen. Unsere Kinder müssen tag täglich eine Flut an Informationen verarbeiten, sei es in der Kita oder in der Schule. Dazu kommt noch die Lautstärke, so dass alle Sinnesorgane mit der Verarbeitung beschäftigt sind. Darüber hinaus ist der Terminkalender der Kids mit Kursen und ggf. Therapiestunden voll gestopft. Wenn sie dann nach Hause kommen, brauchen sie einen geordneten Rückzugsort, der ihnen Struktur und damit Sicherheit gibt, damit sich Seele und Körper erholen können.

 

Wie könnt Ihr das nun umsetzen?

  1. Nehmt Euch mit Eurem Kind einen Vormittag Zeit (da ist der Geist noch frisch und es steckt voller Tatendrang) und räumt die Spielsachen auf einen großen Berg zusammen. Lasst es begreifen, wie viel Zeug es eigentlich besitzt.
  2. Bildet Unterkategorien: Autos zusammen, Bauklötze, Puppen etc. Dabei sollte man aber nicht zu kleinteilig werden, denn dann ist das dauerhafte in Ordnung halten für die Kinder kaum umsetzbar.
  3. Lasst Eure Kinder entscheiden, ob sie ein Spielzeug gerne mögen (=behalten) oder nicht (=entsorgen) und kommentiert die Entscheidung nicht. Auch nicht, wenn es sehr teuer war, oder von Oma geschenkt worden ist.
  4. Anschließend überlegt Ihr gemeinsam, wo welche Spielzeugkategorien untergebracht werden. Hierbei bieten sich Boxen und Schubladen an, damit alles leicht wieder aufgeräumt werden kann.
  5. Das aussortierte Spielzeug sollte sehr zeitnah weggebracht werden.

Nachdem das Zimmer sortiert ist, empfehle ich einmal die Woche aufzuräumen. Von täglichem Aufräumen halte ich nicht so viel, das schafft nur Spannungen, Frustration und damit schlechte Laune auf beiden Seiten. Wir halten es Zuhause so: Der Zugang zum Bett wie auch das Bett selbst müssen frei bleiben und einmal die Woche, wenn ich das Kinderzimmer sauge, muss alles aufgeräumt werden, damit nichts im Staubsauger verschwindet.